Exkursion 2016

 

Pfingstexkursion der Verkehrslehrstühle (ISB, ISAC, VIA) der RWTH Aachen University
Lübeck – Kopenhagen – Malmö
17. - 21. Mai 2016

Die gemeinsam von den Verkehrslehrstühlen ISB, ISAC und VIA der RWTH Aachen University angebotene Pfingstexkursion des Sommersemesters 2016 ermöglichte 30 Studierenden den Einblick in verschiedene verkehrsrelevante Projekte in und außerhalb von Deutschland. Die Route der Exkursion sah vor mit Zwischenstopp an der A7 und Übernachtung in Lübeck weiter nach Kopenhagen zu reisen, von wo es für einen Tag ins benachbarte schwedische Malmö ging.

  Baustelle Lärmschutzdeckel der A7 in Schnelsen Urheberrecht: Qualmann Foto 1: Baustelle Lärmschutzdeckel der A7 in Schnelsen  

Früh morgens um kurz vor 6 Uhr begann die Exkursion vor dem den Studierenden wohlbekannten Sammelbau in der Mies-van-der-Rohe-Straße. Nach einer längeren Fahrt und mehreren Lenkzeitunterbrechungen erwartete die Exkursionsteilnehmer am Mittag der erste Programmpunkt: Der Ausbau der Bundesautobahn A7 rund um Hamburg. Nach einer kurzen Stärkung erhielten wir von der VIA Solutions Nord GmbH & Co. KG in ihrem Planungsbüro in Quickborn in einer Informationsveranstaltung einen Überblick über das Gesamtprojekt, die Rahmenbedingungen und Besonderheiten bezüglich Planung, Bau, Betrieb und Finanzierung. Die hochbelastete Strecke wird auf einer Länge von 65 km nördlich von Hamburg auf 8 bzw. 6 Fahrstreifen ausgebaut. Zusätzlich werden mehrere Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt wie Lärmschutzwände, die Verwendung von offenporigem Asphalt, aber auch der Bau eines Lärmschutzdeckels in Schnelsen. Das Besondere an diesem Projekt ist die Durchführung als PPP-Projekt (Public Private Partnership) in Form des Verfügbarkeitsmodells. Der Ausbau begann Ende 2014 und soll entsprechend der Planung bis Dezember 2018 beendet werden. Er teilt sich in 8 Bauabschnitte, die in verschiedenen Bauphasen bearbeitet werden, um „Erholungsstrecken“ für Autofahrer zu ermöglichen. Spannend wurde es dann vor allem bei der anschließenden Besichtigung eines eigens für das Bauprojekt errichteten Betonmischwerks, einer bereits fertiggestellten Fahrbahndecke aus Beton sowie des sich im Bau befindlichen Lärmschutzdeckels in Schnelsen, der die Anwohner zukünftig auf einer Länge von 550 m vor dem Straßenlärm schützen soll.

Im Anschluss an die Besichtigung ging die Fahrt weiter durch die Stadt Hamburg zu unserem nächsten Ziel, einer Jugendherberge in Lübeck. Nach dem Einchecken der Zimmer bestand die Möglichkeit, an einem sehr informativen, kleinen Stadtrundgang durch die Altstadt Lübecks, geleitet von Herrn Professor Vallée, teilzunehmen. Als Ausklang des ersten Exkursionstags dienten Kaltgetränke in lockerer Runde in einer Kneipe im Herzen von Lübeck.

Tagesbericht Mittwoch 18.05.2016

Der zweite Tag der Exkursion stand im Zeichen der Fahrt von Lübeck nach Kopenhagen mit Fährpassage ab Puttgarden. Als das dänische Festland nach der Überfahrt erreicht wurde, stand sogleich der nächste Programmpunkt an: der Besuch des Informationszentrum der Fehmarnbeltquerung in Rødbyhavn.

  Gruppenfoto vor dem Informationszentrum in Rødbyhav Urheberrecht: Meurer, Müller Foto 2: Gruppenfoto vor dem Informationszentrum in Rødbyhavn  

Ziel dieses Projekts ist der Ersatz der von uns auch zuvor genutzten 45-minütigen Fährverbindung durch einen 18 Kilometer langen Tunnel, der die Passage sowohl per Pkw als auch per Zug ermöglichen soll. Angestrebt wird eine Verkürzung der Reisezeit auf etwa 10 Minuten, was neue Perspektiven für die Region eröffnet. Zur Veranschaulichung besuchten wir eine Aussichtsplattform, die einen Überblick über das zukünftige Baustellengelände mit geplantem Standort für Tunnelportal und Fabrik für Absenkelemente ermöglichte.

  Enger Takt der Fährschiffe zwischen D und DK Urheberrecht: Meurer, Müller Foto 3: Enger Takt der Fährschiffe auf der hochbelasteten Vogelfluglinie zwischen Deutschland und Dänemark  

Nach der anschließenden Fahrt in die dänische Hauptstadt Kopenhagen und dem Bezug der Jugendherberge am südlichen Rand der Stadt ging es nach einer kurzen Pause weiter im Programm. Diesmal wurde das Projekt "Supercykelstier" vorgestellt, bei dem es sich um ein projektiertes Netz hochwertiger und besonders gekennzeichneter Radwege handelt. Ziel ist die Etablierung einer neuen Marke, die Pendler motivieren soll, auch auf längeren Strecken auf das Fahrrad umzusteigen. Derzeit wird bei Strecken über fünf Kilometern überwiegend das Auto genutzt, dieser Anteil soll im Interesse eines besseren Verkehrsflusses und höherer Lebensqualität verringert werden. Die ersten zwei Strecken dieses „Fahrradschnellwegs“ wurden bereits durch Lückenschlüsse und Verbesserung der Infrastruktur errichtet. Um ein durchgängiges Netz schaffen zu können, müssen in dem Projekt alle beteiligten Kommunen der Hauptstadtregion gemeinsam agieren.

Mit der vollautomatischen Metro in Kopenhagen, die zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls ein Programmpunkt der Exkursion darstellte, ging es zum abschließenden Programmpunkt des Tages, einer Vorstellung des Kopenhagener Flughafens. Bei belegten Brötchen und Getränken wurde uns zunächst ein Überblick über die Entwicklung des wichtigsten Flughafens der Öresundregion und Skandinaviens gegeben. Der Flughafen entwickelte sich seit seiner Eröffnung im Jahr 1925 und insbesondere in den letzten Jahren stark. Derzeit verfolgtes Hauptziel ist eine Erhöhung der Kapazität auf bestehendem Gelände, wozu uns mehrere Konzepte vorgestellt wurden, die in einen übersichtlichen, kompakten und leistungsfähigen Flughafen münden sollen. Eindrucksvoll war der Ausblick von der internen Dachterrasse, von der aus uns der Flughafen mit seinen drei Start- und Landebahnen und den Terminals gezeigt wurde. Zum Abschluss stellten uns einige Mitarbeiter des Flughafens aktuelle Entwicklungen im Sicherheitsbereich vor und präsentierten als konkretes Beispiel den Ausbau des Vorfeldes für den Airbus A380. Insbesondere wurde dabei Wert auf den Weg von einer Vision des Flughafens, über die Planung von konkreten Projekten bis hin zu den Herausforderungen bei deren Umsetzung unter laufendem Betrieb gelegt.

Der weitere Abend stand dann zur freien Verfügung und wurde von vielen genutzt, um sich bei verschiedenen Getränken und gutem Wetter Kopenhagen in gemütlicher Runde individuell anzusehen.

Tagesbericht Donnerstag 19.05.2016

Am frühen Morgen gegen halb neun starteten wir in den „Schiene-Donnerstag“, der vier verschiedene schienengebundene Stationen vorsah.

Als Erstes ging es los mit der Vorstellung der Banedanmark im Verkehrsturm von Kopenhagen, in dem die gesamte Betriebsführung für den Großraum Kopenhagen in den nächsten Jahren gebündelt werden soll. Die Vertreter von Banedanmark berichteten über die gerade angelaufene Umstellung der Zugsicherung und Leittechnik auf ERTMS/ETCS L2, was die Voraussetzung für die Zentralisierung der Betriebsführung darstellt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Neubau- und Ausbauprojekte mit einem Gesamtbudget von 24-28 Mrd. DKK, die die Strategie eines landesweiten Stunden-Modells umsetzen sollen, welches beabsichtigt die Reisezeit zwischen den vier größten Städten in Dänemark auf eine Stunde zu senken. Zur Verbesserung des Kundenservice wird ein neuer Algorithmus implementiert, der für die nächsten 15 Minuten in Echtzeit einen den aktuellen Umständen angepassten Fahrplan konstruiert und eine präzise Steuerung des Bahnbetriebs ermöglicht. Die Kommunikationsketten aller Beteiligten (Menschen und Technik) wurde durch ein Rollenspiel, in dem jeder von uns eine Rolle spielte, verständnisfördernd veranschaulicht. Im Anschluss, und somit die zweite Station des Tages, konnten wir das Stellwerk von Banedanmark am Hauptbahnhof Kopenhagen besichtigen. Dort werden mit einer Kombination aus ESTW und Drucktasten-Stellwerk die Weichen und Signale in Kopenhagen, der Öresund-Region und dem weiteren Umland gesteuert. Als dritte Station gingen wir zur S-Tog-Betriebszentrale, in der sich das Control Center befindet, welches für fast das gesamte Netz der Kopenhagener S-Bahn zuständig ist. Auch dort bekamen wir Einblick in die Abläufe.

  Gruppenfoto in den Werkhallen der Kopenhagener Metro Urheberrecht: Wink Foto 4: Gruppenfoto in den Werkhallen der Kopenhagener Metro  

Nach einem kleinen individuell gestalteten Mittagessen in der Stadt fuhren wir zur vierten Station: der Werkstatt der autonom fahrenden Metro mit angegliederter Betriebszentrale. Besonders spannend war dort die Führung durch die Werkstatt, bei der ungewohnte Einblicke in die Abläufe der Instandhaltung sowie der Technik der Fahrzeuge möglich waren.

Damit war der „Schiene-Donnerstag“ beendet, allerdings noch nicht ganz unser Tagesprogramm. Den letzten Programmpunkt des Tages stellte die Besichtigung des autonomen Stadtviertels „Christiania“ dar. Von dort aus ging es in einem gemütlichen Spaziergang mit der ganzen Gruppe durch die Kopenhagener Innenstadt bis zu einem kleinen italienischem Restaurant, in dem wir den Tag mit Pizza, Pasta und Tiramisu gemeinsam ausklingen ließen.

Tagesbericht Freitag 20.05.2016

Tag 4 unserer Exkursion begann mit einem gemütlichen Frühstück um 7:50 Uhr, da die Abfahrt mit dem Bus für 9:00 Uhr geplant war. Durch eine kurzfristige Terminabsage wurde der Tag umgeplant und es ging bereits am Morgen über die Öresundverbindung Richtung Schweden und Malmö. Sie ist eine Kombination aus Tunnel und Brücke, insgesamt 16 km lang und vor allem dafür bekannt, dass die Strecke mehrere Kilometer über eine künstlich errichtete Insel führt. Die Überfahrt mit dem Bus ermöglichte imposante Eindrücke des Bauwerks der Öresundbrücke, die die weltweit längste Schrägseilbrücke für Straßen- und Eisenbahnverkehr ist. Vor der Eröffnung dieser festen Verbindung am 1. Juli 2000 existierte auf der Strecke eine Fährverbindung, welche bei weitem nicht so leistungsfähig war und aus diesem Grund auch deutlich weniger Überfahrten zählte als die heutige Verbindung. Angekommen in der drittgrößten Stadt Schwedens, gab es knapp drei Stunden Freizeit zur individuellen Gestaltung. Diese Zeit wurde allgemein genutzt um die Stadt in Kleingruppen auf eigene Faust zu erkunden. Malmö hat mehrere Marktplätze, viele schöne Parks und auch ein Schloss. Dieses Malmöhus slott wurde bereits im 16. Jahrhundert erbaut und kann heute als Museum besichtigt werden. Außerdem hat Malmö eine schöne Altstadt, in der man sehr gut einkaufen kann und welche viele multikulturelle Essensmöglichkeiten bietet.

  Turning Torso Malmö Urheberrecht: Thiery, Tillmann Foto 5: Turning Torso Malmö  

Am späten Mittag trafen wir und für den offiziellen Programmpunkt des Tages am „stadshuset“ (Stadthaus). Dort erhielten wir bei Kaffee und „Kanebullar“ (Zimtschnecken) einen Vortrag der Stadt Malmö. Neben einem allgemeinen Überblick über die Stadt Malmö wurden Schwerpunkte auf das ÖPNV-Netz und die geplante Straßenbahn sowie das Radverkehrssystem gelegt, welches fünf Tage zuvor die Eröffnung eines Fahrradverleihsystems feierte. Der Fokus des nächsten Teils des Termins bildete das Viertel „Västra Hamnen“ (westlicher Hafen). Begleitet von einer Mitarbeiterin der Stadt Malmö machten wir uns auf den Weg in dieses sehr grüne Stadtviertel und bekamen dort eine Stadtführung. Das Radverkehrssystem ist hier von hoher Relevanz, ebenso wie die Reduzierung des Pkw-Aufkommens. Letzteres soll unter anderem durch sogenannte „shared spaces“ erreicht werden. Einer der beliebtesten Teile von Västra Hamnen ist die Strandpromenade, an der man sehr gut spazieren gehen kann oder (wenn das Wetter dies zulässt) an den extra dafür errichteten Badestegen baden kann. Die Tour endete an einem der Wahrzeichen von Malmö: Dem „Turning Torso“, der mit 190,4m der größten Turm Skandinaviens ist.

Durch diesen Termin war das offizielle Programm der Exkursion beendet und wir machten uns auf den Rückweg nach Kopenhagen. Zur Überraschung aller wurde allerdings, bevor wir Schweden verließen, noch ein Zwischenstopp bei IKEA eingelegt, um einen typischen Hotdog essen zu können.

Tagesbericht Samstag 21.05.2016

Der Samstag ging für alle etwas entspannter los, da es am Morgen außer des Checkouts keinen gemeinsamen Termin gab. Nachdem alle Sachen gepackt und im Bus verstaut wurden, hatten wir den gesamten Samstag bis zur Abfahrt am späten Nachmittag zur freien Verfügung. Diese freie Zeit wurde auf unterschiedlichste Art und Weise genutzt: ein Teil lieh sich Fahrräder aus und erkundetet Kopenhagen auf die typisch dänische Art, andere machten sich zu Fuß auf durch die Stadt und wieder andere nutzten die ÖV-Angeboten. Unabhängig von dem individuellen Programm war aber allen gemein, dass sie die freie Zeit bei strahlendem Sonnenschein in Kopenhagen genossen und die Exkursion so einen guten Abschluss fand, bevor es über Nacht mit dem Bus wieder Richtung Aachen ging.

(Bürgers, Funke, Isenhöfer, Meurer, Müller, Qualmann, Thiery, Tillmann, Wink)