Exkursion 2017

 

Pfingstexkursion der Verkehrslehrstühle (ISB, ISAC, VIA) der RWTH Aachen University

Nürnberg – Linz – Wien - Bratislava

06. Juni – 10. Juni 2017

Die diesjährige Pfingstexkursion, die gemeinsam von den drei Verkehrslehrstühlen ISB, ISAC und VIA der RWTH Aachen University angeboten wurde, war für 29 Studierenden die Chance, verschiedenste verkehrsrelevante Projekte sowie in diesem Bereich tätige Unternehmen kennen zu lernen. Die Route startete früh morgens in Aachen und ging mit einem Zwischenstopp auf der A6 am ersten Tag bis Nürnberg. Am nächsten Tag ging es weiter ins Nachbarland Österreich, über Linz bis nach Wien, dem Hauptziel der Exkursion. Das dritte Land – die Slowakei – wurde am vierten Tag durch eine Tagestour nach Bratislava besucht.

Tagesbericht Dienstag 06. Juni 2017

Am frühen Dienstagmorgen um 06:04 Uhr startete unsere Exkursion bei 16°C in Aachen. Mit 29 Studierenden und zwei Betreuerinnen fuhr der Bus in Richtung Sinsheim in Baden-Württemberg los. Dort wurden wir im örtlichen Rathaus sowohl vom Oberbürgermeistern Herrn Albrecht als auch vom Pressesprecher der ViA6west GmbH, Herrn Hauke, herzlichst empfangen. Anschließend wurden wir über das ÖPP-Projekt (Öffentlich Private Partnerschaft) an der an Sinsheim verlaufenden Bundesautobahn A6 informiert. Bis zum Jahr 2046 plant, finanziert und baut die ViA6west GmbH den Ausbau der Autobahn auf durchgängig sechs Fahrstreifen und den Neubau der Neckartalbrücke zwischen der Anschlussstelle Wiesloch/Rauenberg und dem Autobahnkreuz Weinsberg. Das Projekt mit einem Gesamtvolumen von rund 1,3 Mrd. Euro umfasst auch den Betreib und die Erhaltung der A6 auf einer Gesamtlänge von 47,2 km, von denen einige Teilabschnitte schon heute ausgebaut sind. Hierbei ist das Know-How des Konsortiums – bestehend aus HOCHTIEF, DIF Infrastructure IV und JOHANN BUNTE Bauunternehmung – gefragt. Eine Besonderheit liegt darin, dass es sich dabei um das bundesweit vierte als „Verfügbarkeitsmodell“ strukturierte ÖPP-Projekt handelt. In einem solchen Projekt erfolgt die Vergütung in Abhängigkeit von Umfang und Qualität der Verfügbarkeit der Strecke. Das stetig steigende Verkehrsaufkommen und vor allem der zu erwartende Zuwachs während der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn stellen eine besondere Herausforderung dar. Nach einem Mittagessen im Rathaus konnten wir diese Problematik auf unserem Weg zu der Baustelle der Neckartalbrücke live miterleben.

  Foto 1: Baustelle auf der A6 in Schnelsen Urheberrecht: Kappenhagen, Otert-Enning Foto 1: Baustelle auf der A6 in Schnelsen  

Mit unserem Besuch in Sinsheim haben wir es sogar in die örtliche Presse geschafft: „Autobahnkonsortium ViA6West setzt Bürgerdialog konsequent fort – Studenten wurden von Oberbürgermeister Jörg Albrecht im Rathaus empfangen“

(Empfang im Rathaus von Sinzheim, Veröffentlichung 06. Juni 2017).

Um etwa 14 Uhr machten wir uns weiter auf in Richtung des ersten Übernachtungsstopps, nach Nürnberg. Kaum angekommen ging es direkt zu der VAG, der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg, wo wir Einblicke in die Automatische U-Bahn der Stadt bekamen. Uns wurde gezeigt, wie die vollautomatisierten U-Bahnen der Stadt zentral gesteuert und überwacht werden, um eine hohe Sicherheit zu gewährleisten. Durch den automatisierten Betrieb ist es möglich die Fahrzeuge in einem Takt von nur 100 Sekunden fahren zu lassen, was für den Kunden unter anderem den Vorteil mit sich bringt, dass Wartezeiten auf ein Minimum reduziert werden können. Im Anschluss an diesen Termin stand uns der restliche Abend zur freien Verfügung – sei es in der Jugendherberge oder in der nahegelegenen Innenstadt.

Tagesbericht Mittwoch 07. Juni 2017

Der zweite Tag der Exkursion begann mit einem reichhaltigen Frühstück in der Jugendherberge in Nürnberg, bevor uns die Fahrt um halb neun weiter ins benachbarte Österreich führen sollte.

Am Mittag erreichten wir schließlich die Stadt Linz, in der wir einen Zwischenhalt machten, um einen Einblick hinter die Kulissen der Firma Plasser & Theurer zu bekommen. Dies freute vor allem alle Eisenbahn-Interessierten unter uns, da das 1953 gegründete Unternehmen als Weltmarktführer für die Entwicklung und die Produktion von Gleisbaumaschinen bekannt ist.

Um nach der Fahrt genug Energie zu haben, aufmerksam dem Termin folgen zu können, wurden wir zunächst durch ein reichhaltiges Mittagessen in Empfang genommen. Gereicht wurde uns unter anderem ein traditionell bayerisch-österreichisches Gericht: Rahmschwammerl mit Semmelknödel. Davon gestärkt hatten wir anschließend die Gelegenheit einen einmaligen Blick in die verschiedenen Werkshallen des 58.000 qm großen Firmengeländes zu werfen. Dazu gehörten Fertigungshallen für die Fahrzeugrahmen sowie für einzelne Bau- und Ersatzteile, bis hin zu der Endfertigung. Neben verschiedenen Maschinen zur Verlegung von Gleisen werden dort ebenfalls Bettungsreinigungsmaschinen, Messmaschinen, Oberleitungsmaschinen sowie verschiedene Stopfmaschinen produziert, sodass uns ein umfassender Einblick in die technischen Finessen des Eisenbahnstreckenbaus gewährt wurde. Da Plasser & Theurer bis heute etwa 16.000 Maschinen in 109 Länder exportieren konnte, ist es stets eine besondere Herausforderung auf die individuellen Anforderungen dieser Länder zu reagieren. Dazu gehört zum Beispiel die Anpassung gleisgebundener Maschinen an verschiedene Spurweiten. Um den Anforderungen der zahlreichen Kunden individuell entsprechen zu können, wird daher ausschließlich nach Auftrag produziert.

  Foto 2: „Stopfexpress“ von Plasser & Theurer Urheberrecht: Eichin, Trümper Foto 2: „Stopfexpress“ von Plasser & Theurer  

Nach der Führung durch die Werkshallen verabschiedeten wir uns und setzten unsere Fahrt zum Hauptziel Wien fort. Dort angekommen wurde der Tag mit einem gemeinsamen Abendessen mit Wienerischen Köstlichkeiten und einem gemütlichen Beisammen sein im Mariahilferbräuhaus abgerundet.

Tagesbericht Donnerstag 08. Juni 2017

Am Donnerstag, dem dritten Tag der Exkursion, gab es für jedes fachliche Interesse etwas, denn es standen vier verschiedenen Termine auf dem Tagesplan: 1. Wiener Hauptbahnhof mit Schwerpunkt auf den städtebaulichen Entwicklungen, 2. Wiener Linien, 3. Verkehrsleitzentrale der ASFINAG, 4. Flughafen Wien.

  Foto 3: Wiener Hauptbahnhof Urheberrecht: Wolf, Wolff Foto 3: Wiener Hauptbahnhof  

Der Tag begann also um 09:00 Uhr mit dem ersten Termin am Wiener Hauptbahnhof. Zu Beginn wurde uns dort der neue Hauptbahnhof sowie das dahinter stehende Konzept des Bahnhofes und der umliegenden Flächen vorgestellt. Der Hauptbahnhof Wien existiert in dieser Form seit dem Jahr 2014. Er vereint die alten Kopfbahnhöfe, Süd- und Ostbahnhof, zu einem modernen Durchgangsbahnhof und zum erstmaligen „Hauptbahnhof“ von Wien, welcher nun als Knotenpunkt innerhalb der EU dient. Während des Umbaus an dem Knotenpunkt rückte auch das Streckennetz der Wiener Linien – also Stadt- und U-Bahn – an den neuen Hauptbahnhof heran. Somit ist auch die Erreichbarkeit des Regional- und Fernnetzes der ÖBB verbessert und gesichert worden. Neben den verkehrlichen Funktionen eines Hauptbahnhofes wurden auf dem 109 ha großen Areal der zwei alten Kopfbahnhöfe auch städtebaulich neue Entwicklungen forciert. So entstanden bzw. entstehen mehrere Hotels und Einkaufsmöglichkeiten, sowie ein komplett neues Wohnquartier. Dieses wurde mit großer Bürgerbeteiligung in verschiedenen Arbeitsgruppen und in Zusammenarbeit mit Politikern und Experten konzipiert und geplant. Das gesamte Quartier soll nach Fertigstellung im Jahr 2021 einerseits über 5.000 Wohneinheiten für 13.000 Menschen verfügen und andererseits auf einer Fläche von 5.5000 m² 20.000 neue Arbeitsplätze beherbergen. Nach einer kurzen Führung durch das neue Wohnareal und somit der Präsentation des Status Quo wurden uns vor Ort im zentralen Stadtteilbüro die weiteren Ausbaupläne der Stadtentwicklung im Quartier erläutert. Von da verabschiedeten wir uns dann und machten uns auf zum zweiten Termin des Tages.

Der zweite Termin bei den Wiener Linien teilte sich in zwei Teile auf. Für den ersten Teil wurden wir in einen Raum geführt, von dem man einen Panoramablick auf die Arbeitsplätze der Mitarbeiter/innen der Leitstelle hatte. Während eines kurzen Vortrags wurden uns viele Informationen bezüglich der Wiener Linien vermittelt. Unter anderem, dass es sich bei den Wiener Linien um ein rein öffentliches Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern handelt. Die Kosten für den Gesamtbetrieb werden dabei zu rund 70% von den Ticketeinnahmen (500 Mio. €/Jahr) getragen. Als Erfolgsgeheimnis der Wiener Linien wurden uns drei Hauptaspekte genannt:

  1. Die Gewohnheit der Fahrgäste

→ Durch eine geringe Taktung der Züge haben die Fahrgäste nicht das Bedürfnis Fahrpläne zu lesen, sondern sind es gewohnt nach nur kurzer Wartezeit am Gleis mit dem gewünschten Zug fahren zu können.

  1. Die 365 € Jahresfahrkarte

→ Durch das günstige Angebot werden alle Kundengruppen angesprochen und von der Fahrt mit den Wiener Linien überzeugt.

  1. Hohe Parkkosten

→ Die Politik hat den Wiener Linien durch Ausbreitung der Kurzzeitparker Bereiche, mit einer maximalen Parkdauer von 3 Stunden, in die Karten gespielt.

Als größtes „Ärgernis“ der Wiener Linien gelten paradoxerweise die Fahrgäste, weil diese einen der wenigen Faktoren darstellen, die das Unternehmen nicht im Voraus planen kann. Als Zukunftsvision sieht das Unternehmen zum einen ab dem Jahr 2023 die Vollautomatisierung der U-Bahnlinie U5, zum anderen eine Umerziehung der Fahrgäste, sodass besonders der Vorgang des Einsteigens besser zeitlich planbar wird.

Nach einer kurzen Mittagspause ging es im zweiten Teil unseres Termins bei den Wiener Linien bei einem Mitarbeiter der Stabstelle Infrastruktur weiter, der uns Ziele und weitere Zukunftsvisionen, die insbesondere Infrastruktur und Gleisbau betreffen, vorstellte. Eines der Hauptziele im Kontext der Mobilität besteht darin, bis zum Jahr 2025 80 % des Verkehrs auf den NMIV zu konzentrieren und bis 2030 noch eine Steigerung auf 85% zu erreichen. Ein weiteres Ziel des Unternehmens sieht vor, im Jahr 2020 eine Steigerung der beförderten Personen von derzeit 954 Mio. auf 1 Mrd. Personen zu erreichen. Neben der Erstellung von Verkehrsprognosen besteht die Hauptaufgabe der Stabstelle in Erneuerung und Instandhaltung der 427 km langen Gleisanlagen der Wiener Linien im Stadtgebiet, welche eine Erneuerungsrate von durchschnittlich 1,25% pro Jahr aufweisen.

Unser dritter Termin bei der ASFINAG begann am Nachmittag. Die Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft ist eine privat organisierte Verkehrsmanagement-Zentrale mit den Hauptaufgaben Maut, Bau und Betrieb. Die Hauptziele umfassen eine Erhöhung der Verkehrssicherheit, die Optimierung des Verkehrsflusses sowie die Verbesserung der Streckenverfügbarkeit. Neben der Hauptzentrale in Wien, die wir besuchen durften, existieren 9 regionale Verkehrsmanagementzentralen, welche spezifischere Aufgaben übernehmen, wie z.B. die Überwachung der Glättemeldeanlagen, die Winterdienste, allgemeine Überwachung, Ereignismanagement, Netzsteuerung, Ereignisdokumentation und Reporting. Im Rahmen der Vision 2020 hat die ASFINAG u.a. für die nächsten 3 Jahre das Ziel die Gebiete Verfügbarkeit, Verkehrssteuerung, Verkehrsinformation und Verkehrssicherheit zu verbessern.

  Foto 4: „Boardingaufruf“ zur Vorfeldrundfahrt Urheberrecht: Wolf, Wolff Foto 4: „Boardingaufruf“ zur Vorfeldrundfahrt  

Am späten Nachmittag erreichten wir dann unseren letzten Punkt des Tages, den Wiener Flughafen. Auch dieser Termin kann in zwei Teile unterteilt werden. Zu Beginn wurde für uns eine Vorfeldrundfahrt organisiert, bei der per Audiokommentar Wissenswertes über die einzelnen Bereiche des Flughafens vermittelt wurde. Hierzu zählten die Feuerwache, die technische Basis, der Privatflughafen, die verschiedenen Piere mit ihrer Abfertigungskapazität sowie die Gepäckzentrale. Im Anschluss daran wurden uns durch Mitarbeiter des Flughafens einerseits die Besonderheiten und Schwierigkeiten der Erneuerungen der Asphaltpiste nähergebracht sowie andererseits die anstehenden baulichen Änderungen im Terminal und Pier an einem Modell anschaulich gezeigt. Die Pläne sehen umfangreiche Änderungen vor, wie z.B. eine Verlegung der Sicherheitskontrolle, die Generalsanierung des Piers Ost, sowie die Neuerrichtung des Terminals 3. Nach diesem Termin endete dann auch das offizielle Programm dieses langen, aber dennoch sehr interessanten dritten Tags der Exkursion und wir konnten uns privat und individuell in den Abend verabschieden.

Tagesbericht Freitag 09. Juni 2017

An diesem Tag stand der Tagesausflug nach Bratislava im Vordergrund, wo wir Zeit hatten uns die Stadt und das Nachbarland ohne weitere Programmpunkte anzuschauen. Allerdings gab es im Vorfeld noch einen Termin in Wien zum Thema E-Mobilität. Dazu haben wir die Verbund AG mit ihrer Tochterfirma smartrics am Wiener Westbahnhof besucht. Dort bekamen wir zunächst einen Überblick über die verschiedenen Firmen, sowie einen vertieften Einblick in die Projekte, die E-Mobilität in Wien aber auch ganz Österreich fördern. Im Anschluss an die Projektvorstellungen entwickelte sich dann eine angeregte und spannende Diskussion.

  Foto 5: Gruppenfoto vor der Burg von Bratislava Urheberrecht: Isenhöfer, Wink Foto 5: Gruppenfoto vor der Burg von Bratislava  

Von dort aus fuhren wir dann am Vormittag mit unserem Bus ins slowakische Bratislava. Dort wurde für uns ein Stadtrundgang von einigen unserer Kommilitonen/Kommilitoninnen organisiert und durchgeführt, bei dem es galt, spaßige Fragen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und der Kultur zu beantworten. Um den Ehrgeiz zu steigern wurde dem Gewinner ein kleiner, süßer Preis versprochen. Nach dem gemeinsamen Stadtspaziergang konnten wir die Stadt weiter bei strahlendem Sonnenschein auf eigene Faust erkunden, bevor es am frühen Nachmittag zurück in Richtung Österreich ging. Auf der Rückfahrt bekamen dann auch wir die aufwendigen Formalitäten einer Mautstation zu spüren, indem unsere Fahrt für lange 45 Minuten unterbrochen wurde.

Zurück in Wien stand dann der letzte offizielle Programmpunkt des Tages und auch der gesamten Exkursion an: die Seestadt Aspern, eines der größten europäischen Stadtentwicklungsprojekte. Zunächst wurde uns anhand eines eindrucksvollen Modells das Konzept der neu geplanten Satellitenstadt erläutert. Während des Spaziergangs durch den bereits fertiggestellten Bauabschnitt konnten wir uns einen eigenen Eindruck des Gebietes und der Bebauung machen. Die bereits umgesetzten Gebäude boten reichlich Gesprächsstoff innerhalb der Gruppe aber auch mit unserer Stadtführerin. Insgesamt wurde unsererseits das stadtplanerische Konzept sehr positiv aufgenommen, jedoch auch Hinweise bezüglich architektonischer Verbesserungsvorschläge angeregt – anscheinend gilt das „Vorurteil“ auch in unseren Nachbarstaaten, dass Architekten und Bauingenieure die Welt unterschiedlich sehen. Nach Beendigung der Führung konnten wir unseren letzten Abend individuell in Wien gestalten und taten dies auch nur zu gerne nach einer interessanten, spannenden, facettenreichen, aber auch anstrengenden Exkursion.

(Eichin, Funke, Isenhöfer, Kappenhagen, Otert-Enning, Trümper, Wink, Wolf, Wolff)